Fehlender Datenschutz bei Autonotruf eCall

Das automatische Notrufsystem eCall, das Informationen zu Strecke und Fahrverhalten sammelt, kann missbraucht werden, warnt der ÖAMTC. Derzeit gebe es keine klaren Regeln, wer die Daten zu welchem Zweck nutzen und weitergeben darf. Der Autofahrerclub fordert ein eigenes Datengesetz.

„Neben dem Plus an Sicherheit für alle Verkehrsbeteiligten gibt es unsererseits allerdings auch datenschutzrechtliche Bedenken“, sagte der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung, Bernhard Wiesinger.

Denn eCall bedeute, dass die Hersteller zusätzliche Informationstechnik in die Autos einbauen müssten. Diese Technologie könne auch für andere Zwecke als den automatischen Notruf genutzt werden, warnt Wiesinger.

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Getty Images/Paul Sutherland
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Datenweitergabe bereits gang und gäbe

Die meisten Fahrzeughersteller nähmen die Verpflichtung zu eCall schon seit längerer Zeit zum Anlass, technisch leistungsfähigere Systeme in ihre Fahrzeuge einzubauen. Die verbauten SIM-Karten sammelten rund um die Uhr Daten. „Diese werden zum einen im Auto angezeigt. Der überwiegende Teil der Daten wird jedoch ohne gesetzliche Grundlage direkt an die Hersteller gesendet“, kritisiert der ÖAMTC-Interessenvertreter.

Ohne bewusste Kenntnis des Fahrers würden im Stundentakt beispielsweise Informationen über Fahrstrecken, Abstellpositionen des Fahrzeugs oder sogar das Fahrverhalten des Autolenkers übermittelt. Die Daten würden oft an Vertragswerkstätten oder Versicherungen weitergeleitet, die beispielsweise Wartungserinnerungen aussenden oder auch individuell zugeschnittene Versicherungsangebote erstellen.

Transparenz und Kontrolle für Fahrzeughalter gefordert

Dieser Datentransfer birgt laut ÖAMTC sowohl Chancen als auch Risiken. „Entscheidend ist, dass Verbraucher detailliert Kenntnis über die Art des Datenaustausches erhalten und diesem auch aktiv zustimmen müssen“, so Wiesinger. Der Autofahrerclub betonte, dass die Daten aus dem Auto nur dem Fahrzeughalter gehören. „Fahrzeugbesitzer haben nicht nur einen Anspruch auf Datentransparenz, sie müssen zudem auch frei wählen können, ob und wem welche Daten zur Verfügung gestellt werden“, fordert der Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Wiesinger erwartet „klare gesetzliche Regeln zur Datenerfassung und -weitergabe aus dem Auto“. Ein möglicher Ansatz wäre für ihn ein eigenes Datengesetz, das Daten mit Sachen gleich und somit die Rechte der Fahrzeughalter außer Streit stellt. Ähnliches sei kürzlich in Deutschland vorgeschlagen worden.

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