Wie bei Kaschmirwolle geschwindelt wird

Früher war Kaschmir ein Luxusprodukt, heute sind die weichen Pullover und Schals überall zu haben. Die Nachfrage nach den feinen Fasern ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Doch selbst für Fachleute sind Fälschungen oft nur schwer zu erkennen.

Kleidungsstücke aus Kaschmir gibt es mittlerweile schon beim Diskonter. Bereits um 30 Euro sind günstige Schals zu haben. Um reines Kaschmir dürfte es sich bei diesem Preis nicht handeln. Denn für einen hochwertigen Schal muss man eher mit einem Preis von 100 Euro rechnen.

Selbst für Experten kaum zu erkennen

„Die Fälscher werden immer raffinierter“, so Juliana Kurniadi, Projektleiterin des Leibniz-Instituts für Interaktive Materialien (DWI) in Deutschland. Herkömmliche Wollfasern würden etwa speziell behandelt, um eine glattere Oberfläche zu erhalten. Selbst unter dem Micro-Elektronenmikroskop sei die Unterscheidung schwierig.

Behälter mit farbiger Wolle in einer Spinnerei
Patrick Pleul dpa/lbn
Kaschmir wird zu edlen Garnen verarbeitet

„Im Inlandsmarkt in China wird sehr viel getrickst“, meint Kaschmirexperte Michael dal Grande, nach eigenen Angaben einer der größten Importeure von Kaschmir in Deutschland. Wer ein vergleichsweise günstiges Kleidungsstück aus Kaschmir um 150 bis 200 Euro kaufe, habe wahrscheinlich in China produzierte Ware erstanden. Ganz billige Fälschungen bestehen hauptsächlich aus Viskose. In den besseren werde Schafwolle beigemischt, so der Experte.

Händler weichen auf Alpaka und Yak-Haar aus

In Österreich nahm der auf Öko-Textilien spezialisierte Händler „Grüne Erde“ Kaschmirprodukte sogar ganz aus dem Sortiment. Vor dem Hintergrund einer in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelten Weltnachfrage nach Kaschmir könne die Echtheit der Fasern kaum mehr festgestellt werden, so das Unternehmen.

Alpakas auf einer Farm
Patrick Pleul/dpa
Die hochwertige Wolle von Alpakas ersetzt Kaschmir

Die hohe Nachfrage habe zudem seit einiger Zeit gewerbsmäßige Fälscher auf den Plan gerufen und fördere Betrügereien in der Faserproduktion, etwa das Umdeklarieren oder Vermischen von Kaschmir mit Schurwolle oder sogar Kunstfasern. „Grüne Erde“ ersetzte Kaschmir inzwischen durch Produkte aus Alpaka und Yak-Haar.

Große Ziegenfarmen schädigen Umwelt

Die begehrten Fasern stammen von den Kaschmirziegen, die hauptsächlich in Hochlandgebirgen in China oder der Inneren Mongolei leben. Sie werden nicht geschoren, sondern es werden nur die feinen Unterhaare ausgekämmt. Der noch mit den groben Deckhaaren vermischte Flaum muss anschließend mit viel Aufwand maschinell getrennt werden. Für einen Pullover wird der Flaum von drei bis fünf Ziegen benötigt.

Kaschmirziegen im Stall
Frederic J. Brown / AFP
Kaschmirziegen fressen die Weiden kahl

Das Geschäft mit der edlen Naturfaser mit dem Nobel-Touch ist in den Ursprungsländern längst zum lukrativen Massenmarkt geworden. Doch die massenhafte Vermehrung der von Hirten oder auf großen Viehfarmen gehaltenen Ziegen sorgt in den Ursprungsländern auch für Umweltprobleme. So wurde in China bereits im Jahr 2000 damit begonnen, frei grasendes Vieh zu verbieten, um die Ausbreitung der Wüsten aufzuhalten.

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