Elektroschrott richtig entsorgen

Ob Waschmaschine, Smartphone oder blinkendes Spielzeug: Werden alte Elektrogeräte ausrangiert, müssen sie richtig entsorgt werden. Denn Elektroschrott ist nicht nur Abfall, sondern auch wichtige Ressource für neue Produkte. Help informiert, wo man seine Altgeräte loswird und was bei der Entsorgung zu beachten ist.

Sendungshinweis

„Help“, das Ö1-Konsumentenmagazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Ö1

Fast 22 Kilogramm Elektronik kauft jeder Österreicher im Jahr. Während große Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler um die zehn Jahre genutzt werden, sind es bei Notebooks und Fernsehern im Schnitt gerade einmal fünf Jahre. Smartphones werden meist überhaupt schon nach zweieinhalb Jahren gewechselt, wie eine Studie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ergab.

Ein Traktor mit Baggerschaufel transportiert Elektroschrott auf einem Lagerplatz
APA/dpa/Julian Stratenschulte
9,7 Kilogramm Elektroschrott pro Einwohner wurden 2016 gesammelt

Mindestlebensdauer gefordert

Problematisch ist die mangelnde Transparenz für die Verbraucher. Man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde. Auch der Preis ist nicht immer ein zuverlässiger Indikator. Über Verarbeitungsqualität, Reparaturfähigkeit und Lebensdauer erhält der Kunde keine Informationen. Konsumentenschützer fordern daher eine Kennzeichnung, die die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt - mehr dazu in Mindestlebensdauer für Produkte gefordert.

Entsprechend viel Elektroschrott fällt an. Dieser muss getrennt gesammelt und umweltgerecht entsorgt werden. Die geschäftigste Zeit des Jahres fällt für die Abfallsammler traditionell mit der besinnlichsten zusammen.

„Im Jahr 2016 wurden in Österreich über 83.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt, pro Einwohner sind das 9,7 Kilogramm,“ so Elisabeth Giehser von der Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) Austria im Gespräch mit help.ORF.at. Nicht nur klassische Elektrogeräte gehören gesondert entsorgt. Auch viele Produkte, an die man nicht sofort denkt – zum Beispiel Kinder-Blinkeschuhe und andere LED-Leucht-Accessoires, USB-Sticks und jegliches batteriebetriebenes Spielzeug - zählen zur Kategorie Elektrogeräte.

„Ein Elektrogerät ist alles an dem ein Kabel hängt oder irgendeiner Form elektronische Bauteile oder eine Batterie enthalten sind,“ so Giehser. All diese Geräte können an über 2.100 Sammelstellen in ganz Österreich kostenlos abgegeben werden.

Bei Neukauf muss Händler Altgerät entsorgen

Kauft man ein neues gleichwertiges Gerät muss auch der Händler das alte Gerät zurücknehmen und sich um eine fachgerechte Entsorgung kümmern. Durchgeführt wird diese in Verwertungsbetrieben. In einem ersten Schritt erfolgt die so genannte „Schadstoffentfrachtung“. Dabei werden giftige Stoffe wie Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber aus den Geräten entfernt.

Eine Recycling-Mitarbeiter entfernt Metallteile aus einer Platine
dpa/Marijan Murat
Eine Tonne alter Mobiltelefone enthält mehr Gold als eine Tonne Golderz

Sind die einzelne Rohstoffe getrennt und sortiert werden sie als so genannte Sekundärrohstoffe wieder für die Produktion von neuen Geräten verwendet. „Aus dem gesammeltem Kunststoff werden unter anderem Gehäuse für neue Staubsauger hergestellt“, so Giehser.

Wertvoll: Von Stahl über Gold bis Palladium

Das richtige Recycling löst wertvolle Ressourcen aus dem Elektroschrott. In Großgeräten wie Waschmaschinen steckt etwa viel wertvoller Stahl, Computern und Smartphones enthalten neben Kupfer, Silber und Gold auch kleinste Mengen seltener Metalle wie Palladium. Über 80 verschiedene Rohstoffe werden bei der Verwertung aus den Altgeräten gewonnen. Bei einer Entsorgung im Restmüll würden diese verbrannt und somit unwiederbringlich verloren gehen.

Tokio fertigt Olympiamedaillen aus Elektroschrott

Die Regierung der japanischen Hauptstadt Tokio plant, die Medaillen der Olympischen Sommerspiele 2020 aus gewonnenen Edelmetallen aus Elektroschrott herzustellen. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, nicht mehr gebrauchte Smartphones, Kameras und sieben weitere Arten von digitalen Geräten zu spenden. Insgesamt werden acht Tonnen Edelmetalle für die 5.000 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gebraucht.

Doch nicht nur kaputte Geräte werden entsorgt, auch vieles was noch funktioniert, aber nicht mehr gefällt, wird ausgemustert. Hier bietet sich die Wiederverwendung, auf Englisch Re-Use, an. „Geräte, die noch funktionieren aber nicht mehr dem neuesten Trend entsprechen, kann man bei sehr vielen Sammelstellen für den Re-Use-Bereich abgeben“, so Giehser. Im Anschluss werden die Geräte technisch überprüft und eventuelle Daten darauf nachweislich gelöscht, bevor sie im Tandler-Shop, dem Altwarenmarkt der MA 48 im Vintage-Style, mit einer 12-monatigen Gewährleistung günstig verkauft werden.

Waschmaschinen und andere Elektrogroßgeräte in einem Container einer Sammelstelle
Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle Austria
Eine Waschmaschine besteht unter anderem zu rund 60 Prozent aus Eisen, elf Prozent aus Kunststoff, fünf Prozent Glas und drei Prozent Nichteisenmetallen (Kupfer, Aluminium, etc.)

Warnung vor illegalen Müllsammlern

Trotz funktionierender Sammelsysteme landet ein Teil der alten, aber noch funktionsfähigen Gebrauchtgeräte nach wie vor einfach auf dem Gehsteig vor der Haustür. Spezielle Sammeltrupps aus dem Ausland werben mit Flugzetteln für diese Art der Müllentsorgung. 15.000 Tonnen Elektroschrott werden laut Expertin Giehser so jedes Jahr ins Ausland gebracht. Legal ist das nicht.

„Die so genannten Kleinmaschinenebrigaden haben keine Genehmigung diese Materialien zu sammeln. Man darf sie ihnen nicht geben und sie dürfen sie nicht nehmen,“ so Giehser. Die wertvollen Sekundärrohstoffe würden dadurch verloren gehen, da die Sammeltrupps die Geräte im Normalfall in östliche Nachbarländer verfrachten und dort ausschlachten. Die Kleinmaschinenbrigaden verursachen so jährlich einen Schaden in Millionenhöhe. Elektromüll sollte daher zum Mistplatz gebracht und nicht illegalen Sammlern übergeben werden.

Beate Macura, help.ORF.at

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