Weiter Schadstoffe in Palmölprodukten

Nach den schlechten Testergebnissen Ende September hat Greenpeace nun erneut Produkte mit Palmöl untersuchen lassen. Wieder wurden teils hohe Konzentrationen an Schadstoffen festgestellt. Besonders belastet waren ein Fertigmürbteig, Backerbsen und Knabbergebäck für Babys.

Die Umweltschutzorganisation hat diesmal Mürbteig, Krapfen, Chips, Backerbsen und Knabbergebäck für Babys bei der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) testen lassen.

Greenpeace: Mürbteig von Tante Fanny stark belastet

Der Mürbteig von Tante Fanny, die Backerbsen von Land-Leben und die Brotstangerl von Milupa (für Babys ab acht Monaten) erwiesen sich im Greenpeace als stark belastet. Die neueste Charge des Babysnacks soll aber, wie Milupa der Organisation mitteilte, bereits niedrige Schadstoffwerte aufweisen.

„Wir raten vor allem im Fall von Kindern dringend bis auf Weiteres vom Verzehr des Tante-Fanny-Mürbteigs ab. Geht man nach dem Grenzwert darf ein Kind maximal ein Achtel Mürbteigpizza am Tag essen, um nicht zu viel von dem Schadstoff aufzunehmen“, so Herwig Schuster, Umweltchemiker bei Greenpeace in Österreich.

Eine Packung Backerbsen, eine Packung Brotstangerl und eine Rolle Mürbteig
Greenpeace
Laut Greenpeace ist ein Stück Mürbteigpizza das Maximum für Kinder

Land-Leben-Backerbsen fallen durch, Alnatura sehr gut

Auch Land-Leben habe bereits erste Verbesserungen umgesetzt, die Belastung mit einzelnen Schadstoffen sei aber immer noch zu hoch. „Mit rund acht Löffeln der Backerbsen hat ein kleines Kind schon die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge möglicherweise krebserregender Schadstoffen erreicht. Kinder greifen bei Backerbsen gerne übermäßig zu. Es ist daher unbedingt Vorsicht geboten“, so Schuster. „Als Alternative bieten sich die Alnatura-Backerbsen an, die in unserem Test sehr gut abgeschnitten haben.“

Entwarnung für Milka-Erdbeerschokolade

Für die im September beanstandete Milka-Erdbeerschokolade geben die Umweltschützer vorsichtig Entwarnung. Die neueste Produktion enthält deutlich weniger Schadstoffe, wie von Hersteller Mondelez vorgelegte Analysen belegen.

Für die beiden von Greenpeace beanstandeten Margarineprodukte, den Rama-Würfel und die Alsan, bleibt die Greenpeace-Verzehrwarnung jedoch trotz positiver lebensmittelrechtlicher Beurteilung durch die AGES weiterhin aufrecht. „Die Behörden können leider nur die bereits gültigen Gesetze umsetzen. Die beiden Margarineprodukte sind vor allem für Kinder bei regelmäßigem Verzehr gesundheitlich bedenklich und sollen daher weiter nicht verkauft oder als Kindernahrung verwendet werden“, so Schuster.

Forderung: Betroffene Produkte aus dem Handel nehmen

Die Umweltschutzorganisation fordert nun von Lebensmittelproduzenten und Handel Maßnahmen zur Schadstoffsenkung und verweist auf jene Produzenten, denen das bereits gelungen ist. Außerdem müsse der Handel die Milupa-Brotstangerl mit MHD 13/03/18, die Land-Leben-Backerbsen mit MHD 04/18 und den Tante-Fanny-Mürbteig vorerst aus den Regalen nehmen.

Lebensmittelindustrie sieht Panikmache

Die Lebensmittelindustrie wertet die Tests von Greenpeace als Panikmache und Verunsicherung der Konsumenten. „Oder halten Sie es für realistisch, dass ein kleines Kind acht Löffel Backerbsen am Tag isst?“, so Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie in einer Aussendung.

Die Lebensmittelindustrie in Österreich arbeite verantwortungsvoll und im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften, verweist der Fachverband auf das Fazit der AGES, welche die Tests für Greenpeace durchgeführt hat. Demnach liegen bei keinem der untersuchten Produkte lebensmittelrechtliche Beanstandungsgründe vor. Sämtliche Produkte seien somit uneingeschränkt verkehrsfähig.

Greenpeace: Nicht auf Gesetze warten

Greenpeace bestätigte, derzeit würden für die beanstandeten Schadstoffe noch keine gesetzlichen Grenzwerte gelten. „Die Behörden können leider nur die bereits gültigen Gesetze umsetzen", so Greenpeace. Doch viele Lebensmittel würden gesundheitsgefährdende Schadstoffe aus Palmöl enthalten, und das in hohen Mengen. Das müsse durch die Einführung von Grenzwerten geändert werden. Eine erste EU-Grenzwertverordnung für den Schadstoff Glycidyl-Ester werde in den nächsten Monaten in Kraft treten.

„Die Lebensmittelindustrie darf nicht darauf warten, bis die Grenzwerte endlich lebensmittelrechtlich gelten. Die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten muss an erster Stelle stehen“, so Schuster von Greenpeace.

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