Tablets im Test: Was sie als Laptop-Ersatz taugen

Für unterwegs, zum Spielen für die ganze Familie oder einfach zum Internetsurfen – Tablets sind vor allem praktische Zweitgeräte. Können die flachen Minicomputer auch eine echte Alternative zum Laptop sein? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat verschiedene Geräte getestet.

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16 Tablets mit Bildschirmdiagonalen zwischen zehn und 13 Zoll (25 bis 33 Zentimeter) nahm der VKI unter die Lupe. Dabei waren auch Geräte der Oberklasse um bis zu 1.600 Euro. Fazit: Leistungsfähige, hochwertige Tablets, die sich auch zum Arbeiten eignen, gibt es. Sie bieten Alternativen zum Laptop, dafür muss man aber recht tief in die Tasche greifen.

„Im Bereich der Tablets sind die Verkäufe rückläufig weil die kleineren Tablets Konkurrenz erhalten durch immer größer werdende Smartphones. In der Klasse über zehn Zoll Bildschirmdiagonale hat sich allerdings in technischer Hinsicht einiges getan“, sagt Gernot Schönfeldinger, Tester beim VKI. Die Geräte würden immer stärker aufgerüstet und seien mittlerweile tatsächlich eine Konkurrenz zum klassischen Laptop.

Fast alle „Gut“, aber mit unterschiedlicher Ausstattung

Im Test erhielten im Gesamturteil alle, bis auf ein Gerät, die Note „Gut“. Unterschiede gibt es unter den Spitzenreitern von Microsoft, Apple, Asus und Samsung nur wenige. Vor allem bei der Ausstattung sind diese zu finden: Mit guten Displays, Kameras vorne und hinten, USB-Anschlüssen sowie größerem Arbeitsspeicher und Speicherplatz kommen einige im Test einem Laptop nahe. Der Nachteil: Diese Ausstattung kostet: Im Fall des Testsiegers, ein Surface Pro i5 von Microsoft, knapp 1.400 Euro. Dafür ist es mit acht Gigabyte Arbeitsspeicher das leistungsfähigste im Test.

Ebenso im oberen Bereich lagen im Test das iPad Pro von Apple, das Asus Transformer 3 Pro sowie das Samsung Galaxy Book 12 LTE. Letzteres punktete vor allem mit guter Hardware. Die günstigeren Tablets, die getestet wurden - darunter Modelle von Lenovo, HP, Archos und Asus - schneiden ebenfalls durchwegs „gut“ ab. Bei Ausstattung und Leistung müsse man hier allerdings Abstriche machen, meint Schönfeldinger.

Tablet mit USB-C wird geladen
ORF.at/Peter Pfeiffer
Einige Geräte im Test haben einen USB-Anschluss, drei den schnelleren USB-C

Tablet-Hersteller rüsten bei Betriebssystem auf

„Was auffällt ist, dass viele Tablets mittlerweile mit einem vollwertigen Betriebssystem, sprich Windows 10 daherkommen“, so Schönfeldinger. Das mache sie konkurrenzfähig gegenüber den Laptops. Denn damit können die gleichen Programme auch am Tablet verwendet werden, die Nutzer schon von ihren Heimcomputern kennen. Nur vier der getesteten Geräte werden mit einem „Android“-Betriebssystem geliefert. Apple bespielt die iPads mit dem vor allem für Mobilgeräte ausgelegten Betriebssystem „iOS“.

Gute Tastaturen sollen Lücke schließen

Wer komplexere Aufgaben am Tablet erledigen, oder auch nur längere E-Mails schreiben möchte, stößt mit dem Touchscreen schnell an die Grenzen. Damit auch am Tablet gearbeitet werden kann wie am Computer oder Laptop, sollen anschließbare Tastaturen helfen. Diese gibt es für nahezu alle Geräte, separat oder im Paket mitgeliefert. Manche Modelle gibt es auch mit Stylus, einem Bedienstift, der zum Beispiel die Bildbearbeitung erleichtern soll.

Apple-iPad punktet nicht mit Vielseitigkeit

Die beiden Apple-Tablets im Test, ein iPad Pro 10.5 und ein iPad Pro 12.9, seien mit 830 Euro beziehungsweise 1.000 Euro eine vergleichsweise günstige Option im Spitzenbereich. Der kleinere Arbeitsspeicher mit vier Gigabyte und die fehlenden Anschlüsse mache sie jedoch nicht zum idealen Notebook-Ersatz und schränke die Vielseitigkeit ein, sagt Schönfeldinger. „Solange ich mich in der Apple-Welt bewege, ist das nicht unbedingt ein Nachteil. Wenn ich allerdings die Welten mischen möchte, dann bin ich mit dem iPad schon im Nachteil, weil Schnittstellen nicht so zahlreich sind.“

Ausreichend viel Arbeitsspeicher schont Nerven

Nur ein Gerät erhielt die Note „durchschnittlich“. Das Gerät von Alcatel ist aber mit 115 Euro auch das günstigste Produkt im Test. Vor allem der sehr kleine Arbeitsspeicher mit nur einem Gigabyte enttäuschte hier. Erwartet man sich eine gewisse Leistung, dann sei das zu wenig, meint der VKI-Experte. „Vier Gigabyte Arbeitsspeicher sind schon wichtig. Alles darunter macht das Gerät relativ langsam und kann beim Streaming von höher aufgelösten Videos schon ruckeln.“

Auch die Speicherkapazität ist wichtig. Beim Kauf sollte man hier genau prüfen, wie groß der tatsächlich verfügbare integrierte Speicher ist. Dieser weicht meist von den Herstellerangaben ab, je nachdem wieviel das Betriebssystem für sich beansprucht. Vorteilhaft sei es, wenn der Speicherplatz später noch erweitert werden kann. Bei den meisten Geräten im Test sei das auch mittels SD-Karte möglich, mit Ausnahme von Apple. „So wie bei allen Applegeräten gibt es einen fest verbauten Speicher, der nachträglich nicht erweitert werden kann“, so Schönfeldinger. Man müsse sich hier schon beim Kauf entscheiden wieviel Speicher man braucht und sich auch leisten könne.

Günstigere Tablets genügen als Zweitgerät

Für alle, die viel unterwegs arbeiten, bieten leistungsstarke Tablets auch einen eindeutigen Gewichtsvorteil gegenüber Laptops. Die kompakten Geräte haben dafür ihren Preis. Bei Laptops bekommt man mehr Leistung für sein Geld. Man sollte sich deshalb vor dem Kauf genau überlegen, für was man das Gerät tatsächlich verwenden möchte, rät Schönfeldinger. „Wenn ich Fotos oder Videos daheim am Computer bearbeite, dann brauche ich kein teures Tablet, das das auch kann.“ Das Tablet als Zweitgerät könne auch ein entsprechend kleineres, preisgünstigeres sein, mit weniger Ausstattung.

Melanie Stocker, help.ORF.at

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