Was die neue E-SIM-Karte kann

Während sich Smartphones in den letzten zehn Jahren vom tragbaren Telefon zum Mini-Computer für die Hosentasche entwickelt haben, hat sich die zugehörige SIM-Karte kaum verändert. Mit der E-SIM steht nun ein Nachfolger bereit. Winzig klein und fest im Handy verbaut soll sie neue Smartphone-Designs möglich machen und das Wechseln des Mobilfunkanbieters vereinfachen.

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Die SIM-Karte ist das Herzstück unseres mobilen Lebens. Aus der Plastikkarte herausgebrochen und ins Handy eingesteckt, sorgt sie für die ständige Verbindung zum Mobilfunknetz. Allein in Österreich sind derzeit über 14 Millionen SIM-Karten aktiv, wie aus dem Telekom Monitor der Telekom-Regulierungsbehörde (RTR) hervorgeht.

Sechs mal fünf Millimeter klein

Wurden die SIM-Karten zuletzt immer kleiner - von der Mini- zur Micro- bis zur Nano-SIM - steht nun eine komplett neue Generation in den Startlöchern: Die so genannte Embedded SIM, kurz E-SIM genannt. Sie ist fest mit dem Gerät verbunden und mit einer Größe von sechs mal fünf Millimetern kleiner als der Nagel des kleinen Fingers. Denn bei den immer dünner designten Smartphones ist der Platz rar, jeder Millimeter zählt.

Mini-, Micro-, Nano- und E-SIM im Größenvergleich
T-Mobile/Marlena König
Die SIM-Karte im Wandel der Zeit

Mit der E-SIM, die fix auf der Platine des Smartphones verlötet ist, können die Geräte flacher, kompakter gebaut und auch leichter wasserdicht designt werden. Gerade kleine Geräte wie Fitness-Armbänder oder Smartwatches können so direkt mit dem Internet verbunden werden - ganz ohne den Umweg über ein zusätzliches Smartphone in der Tasche.

Lokale Wertkarte statt Roaminggebühren

Neben der geringen Größe, die vor allem für die Gerätehersteller wichtig ist, fällt mit der E-SIM auch der SIM-Kartenwechsel weg. Sie kann aus der Ferne aktiviert und jederzeit umprogrammiert werden. Der Kunde schließt seinen Mobilfunkvertrag online ab und bekommt dann von seinem Anbieter per E-Mail einen QR-Code zugeschickt. Dieser Code wird anschließend mittels Handykamera gescannt und schon ist die E-SIM aktiv. Der Kunde kann sofort lostelefonieren.

Zudem können mehrere Mobilfunkverträge auf einer E-Sim genutzt werden. Die aktuell verbauten E-SIM-Chips können bis zu zehn solcher Profile verwalten. Im Nicht-EU-Ausland könnten Kunden auf diese Art in Zukunft teure Roaming-Kosten sparen. Indem einfach einen Vertrag (zum Beispiel eine Wertkarte) mit einem lokaler Mobilfunk abschließt und diese dann vor Ort nutzt.

SIM-Karten verschiedener Größen auf einem Smartphone
T-Mobile/Marlena König
Noch sind Endgeräte mit E-SIM rar

„Technisch machbar wäre auch, dass ich bei einem Anbieter Sprachtelefonie und SMS nutze und bei einem anderen Anbieter die Datenverbindung“, so Telekom-Experte Gregor Goldbacher. Das Wechseln zwischen verschiedenen Mobilfunknetzen soll aus technischer Sicht mit der E-SIM genauso unkompliziert sein, wie das Einbuchen in ein WLAN-Netz.

Auch SIM-Locks möglich

Doch mit der E-SIM können auch altbekannte Einschränkungen wie etwa ein SIM-Lock auf die Nutzer zukommen. Denn die Regeln wie die E-SIM genutzt werden kann, legen die Mobilfunker fest. „Derzeit ist noch ungewiss, ob diese Entwicklung zu mehr Abschottung oder mehr Offenheit führt,“ so Goldbacher.

„Drei“ - der einzige Mobilfunker, der die E-SIM bisher in Kombination mit einer Smartwatch in Österreich anbietet- verzichtet inzwischen auf eine SIM-Sperre, wie uns der Betreiber auf Nachfrage erklärte. T-Mobile will im nächsten Jahr erste E-SIM-Geräte anbieten. Und auch A1 plant einen Start 2018.

Praktischer Nutzen vor allem im „Internet der Dinge“

Bis die E-SIM flächendeckend in Handys genutzt wird, wird es aber wohl noch einige Jahre dauern. Bisher gibt es nämlich erst ein einziges Smartphone von Google (Pixel 2), das mit dem SIM-Karten-Winzling umgehen kann.

In der Zwischenzeit kommen die E-SIMs vor allem im „Internet der Dinge“ zum Einsatz, also bei Maschinen und Geräten, die mit dem Internet verbunden sind. Vernetzte Alarmanlagen, Stromzähler, Heizungssteuerungen und auch viele Autos haben bereits jetzt E-SIMs an Bord. Bis 2021 sollen nach Marktschätzungen schließlich insgesamt 28 Milliarden Geräte weltweit E-SIM-fähig sein.

Beate Macura, help.ORF.at

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