„Fast Fashion“ und der Recycling-Mythos

In immer kürzeren Abständen produzieren Modemarken neue Trends. Das verursacht vor allem eines: viel Textilmüll. Die Hersteller verweisen hier gerne auf Recyclingprogramme. Für Greenpeace ist eine reine Werbemaßnahme. Die wenigsten Materialien seien überhaupt wiederverwertbar, so die Umweltschutzorganisation. Sie fordert langlebige Qualität statt billiger Wegwerfmode.

Wiederverwertung ist ein häufig genutzter Begriff als Lösung für die Probleme einer Modeindustrie, die durch ihre Schnelllebigkeit viel Textilmüll verursacht. Damit verbunden ist auch eine Belastung für die Umwelt durch immense Ressourcenveschwendung. Doch das Versprechen der Modeindustrie, dem durch Recycling von Textilien entgegenzuwirken sei nicht einlösbar, kritisiert Greenpeace in dem nun vorliegenden Bericht „Fashion at the crossraods“.

Es müsse ein anderer Weg eingeschlagen werden, weg von noch mehr Konsum und ständig wechselnden Modetrends, fordert Greenpeace. Aufgezeigt werden notwendige Schritte, die den Lebenszyklus von Textilien verlängern, um damit die Trendspirale zu verlangsamen und Ressourcen zu schonen. Mit dem Bericht hat Greenpeace einen Wegweiser für die Modeindustrie in Richtung „Slow Fashion“ vorgelegt.

Weggeworfene Kleidung
AFP
Problem „Fast Fashion“: Kleidung landet vor allem im Müll

Recycling nur ein Mythos: Kleidung landet meist im Müll

Der Großteil der Kleidung landet über den Hausmüll auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen und wird gar nicht erst recycelt. In der Textilindustrie konzentriert sich Recycling nicht auf die Wiederverwertung von alten Textilien, sondern auf das Recycling von Plastikflaschen. Doch das habe kaum positiven Einfluss auf die Umweltverschmutzung durch Plastik. Eher hilft es den Modemarken ein positiveres Image zu kreieren. Die Modeindustrie verschließe außerdem die Augen vor Problemen, die durch den vermehrten Einsatz von Polyester entstehen, wie zum Beispiel die Wasserverschmutzung durch Mikrofasern aus Polyester, kritisiert die Non-Profit-Organisation.

Vielmehr sei das Recyclingversprechen vieler Modemarken nicht einlösbar. Die Technologien für hunderprozentiges Recycling von synthetischen und natürlichen Textilien seien noch lange nicht ausgereift. Nach jetztigen techonologischem Standard ist etwa nur ein einstelliger Prozentsatz der verwendeten Materialien überhaupt recyclebar.

Modeketten nutzen Recycling nur zur Imagepolitur

Hersteller müssten erkennen, dass der rasant wachsende Konsum von Textilien und die damit verbundene Ressourcenverschwendung das eigentlich größere Problem ist, das gelöst werden muss. Das Versprechen der Modeindustrie, in Zukunft auf recylebare Materialen zu setzten, trage bloß dazu bei, dass der bereits massive Konsum ohne Schuldgefühle bei den Konsumenten noch gesteigert werde, so die Umweltschützer.

Forderung: Langlebige Qualität frei von Trends

Man müsse den eingeschlagenen Weg, Mode als Wegwerfartikel zu produzieren und auf umweltschädliche Kunstfasern zu setzen, hinterfragen. Die Trendspirale zu verlangsamen sei der erste und wichtigste Schritt für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie, so die Umweltschützer.

Ziel der „Slow Fashion“ sei es, wieder einen bewussteren Umgang mit Kleidung zu erreichen. Es gehe darum, weniger Kleidung zu produzieren und wegzuwerfen. Dazu brauche es höhere Qualität, die Kleidung wieder langlebiger macht. Schon beim Entwurf der Kleidungsstücke müsse die Möglichkeit, diese später in anderer Form wiederzuverwenden beziehungsweise vollständig zu recyceln, berücksichtigt werden. Kleidung müsse außerdem wieder mehr wertgeschätzt werden und Reparaturen und die Wiederverwertung müssten sich in Zukunft wieder lohnen, fordert Greenpeace.

Melanie Stocker, help.ORF.at

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