Was am Hype um Kokosprodukte dran ist

Kokosprodukte füllen die Regale von Supermärkten und Biogeschäften. Ob als kalorienarmer Softdrink, veganer Obersersatz, Bratfett oder Kosmetikprodukt: Um die Kokosnuss ist ein wahrer Hype entstanden. Ernährungsexperten können die Begeisterung für das neue „Superfood“ nicht nachvollziehen. Laboranalysen zeigen außerdem, dass Kokosprodukte teilweise mit Schadstoffen belastet sind.

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Neu an der Kokosnuss ist nur der Hype, auf dem Markt ist die exotische Frucht schon lange. Die deutsche Zeitschrift „Öko-Test“ ließ Kokosraspeln, Kokosmilch und Kokosöl auf Schadstoffe untersuchen. 21 Proben, je sieben aus jeder Produktkategorie, kamen ins Labor. Das Testergebnis sei „durchwachsen“, so Sarah Jehle, Redakteurin bei „Öko-Test“.

„Öko-Test“: Bioprodukte nicht eindeutig besser

„Wir haben im Test sowohl sehr gute als auch mangelhafte und ungenügende Produkte“, so Jehle. Bioprodukte hätten nicht eindeutig besser abgeschnitten als konventionelle Ware. „Alles in allem erhielten zehn Produkte sehr gute und gute Bewertungen.“

Kokosnüsse auf einem Markt
Karin Fischer/help.ORF.at
Die Kokosnuss als neues, trendiges „Superfood“

Am besten schnitten Kokosraspeln ab. Von den auch in Österreich erhältlichen Produkten bekam „Seeberger Kokosnuss geraspelt“ (0,85 Euro pro 100g) das Testurteil „Sehr gut“, „Alnatura Kokos geraspelt“ (0,90 Euro pro 100g) die Note „Gut“. Bei der Kokosmilch gab es im Test drei „Sehr gut“: „BioGourmet Kokosmilch“ (0,75 Euro pro 100g), „Coco King Bio-Kokosmilch“ (0,57 Euro pro 100g) und „Morgenland Kokosmilch extra“ (0,65 Euro pro 100g).

Mineralölrückstände auch in Kokosprodukten

Mehr als die Hälfte aller Kokosprodukte war mit Mineralölbestandteilen belastet, einige auch mit Weichmachern und Chlorat aus der Desinfektion von Trinkwasser. Kokosöle wurden generell schlechter bewertet. Bei drei Ölen war der Gehalt an Mineralölrückständen sogar besonders hoch. Zwei Kokosöle sind komplett durchgefallen: Die Produkte „Bio Planete Kokosöl nativ“ (2,25 Euro pro 100g) und „Danlee Cocofin aus kaltgepresstem Kokosöl, flüssig“ (3,00 Euro pro 100g). „Sehr gut“ schnitt im Test nur „Rapunzel Kokosöl Nativ“ ab.

Kokosprodukte im Supermarktregal
Karin Fischer/help.ORF.at
Kokosöl „Bio Planete“ mit der Bewertung „Ungenügend“ neben „Rapunzel Kokosöl nativ“, das als einziges mit „Sehr gut“ bewertet wurde

Sehr viel Gutes für die Gesundheit dürfe man sich von dem neuen „Superfood“ jedenfalls nicht erwarten, so Jehle. „Bei Kokosprodukten wird erzählt, dass es bei verschiedenen Krankheiten sehr hilfreich ist. Dafür gibt es aber keine wissenschaftlichen Belege.“ Dabei verspricht die Werbung, dass das Fett der Kokosnuss vorbeugend vor Alzheimer und Herzinfarkt schützen soll. Auch als Schlankmacher, Sportlergetränk, Hautbalsam, ja sogar als Insektenschutz wird das Wundermittel angepriesen. Gesunde Süße, bekömmliches Fett und alles vegan - die Kokosnuss, ein Alleskönner, egal ob in der Pfanne oder auf der Haut. Doch wissenschaftlich nachgewiesen sind die positiven Effekte auf die Gesundheit bisher nicht.

Heimische Pflanzenöle wertvoller als Kokosöl

Kokosöl schneidet im Vergleich zu anderen Pflanzenölen sogar schlechter ab, so Ernährungswissenschaftlerin Andrea Ficala. „Die Kokosnuss enthält gesättigte Fette, Kokosöl und Kokosmus mehr als 80 Prozent davon.“ Gesättigte Fette würden Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen und den Cholesterinspiegel steigen lassen, weshalb man eher wenig davon essen sollte. Auch in Palmöl sowie Butter und anderen tierischen Fette stecken gesättigte Fettsäuren, weswegen sie regelmäßig kritisiert werden.

Supermarktregal mit diversen Kokosprodukten
Karin Fischer, help.ORF.at
Heimische Pflanzenöle schneiden im Vergleich mit Kokosöl besser ab

Ob die im Kokosöl enthaltenen Fettsäuren mittlerer Kettenlänge wie behauptet einen Einfluss darauf haben, ob man länger satt ist, sei noch nicht erforscht. „Am besten übertreibt man nicht und isst nicht nur noch Kokosfett“, so die Ernährungswissenschaftlerin. Denn das werde beim Abnehmen auch nicht helfen. Heimische Pflanzenöle wie Leinöl, Rapsöl und Distelöl seien weitaus besser für die Gesundheit, vor allem wenn sie Bioqualität haben.

Hype um Kokoswasser und Kokosblütenzucker

Auch beim teuren Trendgetränk Kokoswasser sind die Erwartungen nach Ansicht der Expertin überzogen. Wegen des zu hohen Mineralstoffgehalts sei Kokoswasser nicht das perfekte Getränk für Sportler. Als kalorienarmes, isotonisches Getränk nach dem Sport seien gespritzter Apfelsaft und alkoholfreies Bier gespritzt besser geeignet.

Richtig teuer wird es beim Kokosblütenzucker. Ein Kilo des hochgepriesenen exotischen Produkts kostet zwischen 30 Euro und 40 Euro. Schlank wird vom Kokosblütenzucker aber nur die Geldbörse, heilende Kräfte habe er nicht, so Ficala. "Wir sollten insgesamt die Süße reduzieren. Statt ein sehr teures Produkt zu kaufen, das auch sehr weit transportiert werden muss, wäre es vernünftiger, kleinere Mengen heimischen Zucker zu nehmen. Bei den meisten Rezepten ließe sich problemlos ein Drittel des Zuckers einsparen.

Kokosnussfruchtfleisch in einem wassergefüllten Behälter
Karin Fischer/help.ORF.at
Kokosprodukte bringen Abwechslung in den Speiseplan

Auch wenn die Kokosnuss kein Wundermittel ist, gesund sei sie trotzdem als Ergänzung auf dem Speiseplan, auf die man ab und zu zurückgreifen könne. „Nur dieser Hype ist nicht wirklich sinnvoll, weil auch Kokosprodukte eine ungesunde Ernährung nicht ausgleichen können“, so die Ernährungsexpertin. Auch von Kosmetikprodukten aus der Kokosnuss darf man sich keine Wunder erwarten. Laut Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) wirkt die Kokosnuss auf die Haut genauso gut oder schlecht wie andere Pflanzenöle.

Karin Fischer, help.ORF.at

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