Seniorenhandys im Test: Zwei besonders geeignet

Während das Smartphone bei den Jüngeren ständiger Begleiter ist, besitzt gerade einmal jeder Dritte über 65-Jährige ein Mobiltelefon. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun 13 einfache und zwei smarte Seniorenhandys getestet. Zwei Geräte erwiesen sich dabei als besonders geeignet.

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Meist sind es die Kinder, die ihre Eltern im vorgerückten Lebensalter mit einem Handy ausstatten wollen. Um sie jederzeit erreichen zu können und umgekehrt: Damit die Eltern bei einem etwaigen Notfall Hilfe rufen können.

Mit eigenen „Seniorenhandys“ wenden sich einige Hersteller direkt an die Bedürfnisse der älteren Generation, wenn die Sehkraft langsam nachlässt, man schlechter hört und die Fingerfertigkeit nicht mehr so ist, wie sie mal war. Nicht das Vollpacken der Geräte mit noch mehr technischem Schnickschnack, sondern bewusste Reduktion der Funktionen und Konzentration auf das Wesentliche sind hier oberste Prämisse.

eine ältere Frau telefoniert mit einem Handy
Getty Images/misuma
Ob Smartphone oder klassisches Klapphandy: Die Notruftaste gibt Sicherheit

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sich 15 dieser einfach gehaltenen Mobiltelefone genauer angeschaut. Empfang, Akkudauer und Sprachqualität wurden im Labor gemessen. Zusätzlich haben ältere Testpersonen die Geräte ausprobiert und die Bedienungsfreundlichkeit beurteilt. Neben gut ablesbaren Displays, großer Schrift, gut bedienbaren Tasten und einer hohen Lautstärke beim Telefonieren haben alle getesteten Handys auch eine spezielle Notruftaste. Groß auf der Rückseite angebracht, reicht ein Druck darauf, um eine Notrufkette auszulösen.

Notruftaste alarmiert Vertrauenspersonen

"Angenommen ich stürze und kann mir nicht helfen, dann drück ich auf die Notruftaste meines Handys und das Handy beginnt von sich aus die vorher eingespeicherten Telefonnummern anzurufen, erklärt Gernot Schönfeldinger vom VKI. „Hebt am anderen Handy niemand ab, dann wählt das Handy nach einer bestimmten Zeit die nächste Rufnummer, bis jemand abhebt, mit dem ich dann sprechen kann.“

Manchen der getesteten Handys bereitete die Notrufkette allerdings Probleme. Sie werteten den Notruf auch als angekommen, wenn sich am anderen Ende der Leitung nur eine Mobilbox oder ein Anrufbeantworter meldete. Einige Hersteller (konkret: Emporia, Doro, Pearl, Amplicomms und Tiptel) haben dafür aber bereits eine Lösung: Hier muss der Angerufene nach dem Abheben noch zusätzlich eine bestimmte Taste drücken, damit der Notruf als angekommen gilt.

Mehrheit will klassische Handys ohne Touchscreen

Die Mehrheit der Modelle im Test waren klassische Handys. Zwar kann man damit nur Telefonieren und Nachrichten verschicken, dafür hält der Akku tagelang und auch wenn das Gerät kaputt geht oder verloren wird, hält sich der Schaden bei Preisen zwischen 35 und 100 Euro in Grenzen. Zwei Klapphandys lagen hier ganz vorn. Sie punkteten mit gut ablesbaren Displays, großer Schrift, gut bedienbaren Tasten sowie mit hoher Lautstärke beim Telefonieren und bei den Klingeltönen.

Panasonic KX-TU329 und Doro PhoneEasy 613
Panasonic; Doro
Die Besten: Das Panasonic KX-TU329 und das Doro PhoneEasy 613

Testsieger: Klapphandys besonders praktisch

Zum Testsieger gekürt wurde das Panasonic KX-TU329. Es kommt auch mit analogen Hörgeräten zurecht und das Drücken jeder Nummerntaste beim Wählen wird mit einem Signalton bestätigt. Auch Handhabung und Akkuleistung überzeugten. Des weiteren verfügt das Gerät über eine integrierte Kamera mit zwei Megapixel, ein UKW-Radio, eine Taschenlampen-Funktion und Bluetooth. Wermutstropfen ist laut den Testern das schwarze Gehäuse, das recht kratzempfindlich ist. Das KX-TU329 ist in Onlineshops ab 80 Euro erhältlich und wird mit einer Ladeschale ausgeliefert. Das bietet den Vorteil, dass nicht mit einem kleinen Stecker an einer Ladebuchse hantiert werden muss, sondern das Gerät bequem auf die Ladeschale gelegt werden kann.

Knapp dahinter auf dem zweiten Rang folgt im Test das Modell PhoneEasy 613 des schwedischen Herstellers Doro. Es ist ebenfalls mit Hörgeräten kompatibel und mit einer Kamera mit zwei Megapixel ausgestattet. Anrufe können durch einfaches Auf- oder Zuklappen entgegen genommen werden. Laut den Testern ist es stabil und in der Handhabung sogar noch eine Spur besser als der Testsieger, hat allerdings einen etwa schwächeren Akku und keine Taschenlampe. Das PhoneEasy 613 ist ebenfalls online ab 80 Euro erhältlich und wird mit einer Ladeschale ausgeliefert.

Weitere mit „Gut“ benotete Mobiltelefone

Die weiteren Handys im Test bieten ebenfalls gute Unterstützung für Senioren, sie waren aber nicht mehr pauschal für alle drei Zielgruppen mit Beeinträchtigungen (Sehen, Hören, Morotik) gleich gut geeignet. Hier muss im Einzelfall geschaut werden, ob das Gerät den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Auf dem dritten Platz und ebenfalls mit einem „Gut“ benotet wurde das Klapphandy Flipbasic des österreichischen Herstellers Emporia, das ab 45 Euro erhältlich ist. Auf dem vierten Platz folgt das erste Handy ohne Klappfunktion im Test, das Doro Primo 366 ab 45 Euro. Auf dem fünften Rang liegt mit dem Swisstone BBM 625 (ab 55 Euro), wiederum ein Klapphandy.

Emporia Smart und Doro liberto 825
Emporia; Doro
Sieger bei den Testpersonen: Das 200-Euro-Smartphone Emporia Smart Technisch etwas besser: Das Doro Liberto 825 ab 230 Euro

Auch erste Smartphones erhältlich

Wer auch im Internet surfen und seine E-Mails abfragen will, kann zu einem auf seine Bedürfnisse abgestimmten Smartphone greifen. Der VKI hat sich in diesem Bereich stellvertretend zwei Modelle näher angeschaut. Das Emporia Smart schnitt bei den Testpersonen am besten ab, vor allem die Ausstattung mit einer zusätzlichen Klapptastatur, die über die Hälfte des Displays gelegt werden kann und so das haptische Tippen möglich macht, kam bei den Senioren sehr gut an. Ein großes Plus ist laut den Testern auch die gelungene Bedienungsanleitung.

In technischer Hinsicht lag unterdessen das Smartphone Liberto 825 von Doro vorn. Es hat eine schnellere Datenverbindung (LTE) und eine etwas neuere Version des Betriebssystems Android an Bord. Beide Smartphones lassen sich jederzeit mit Apps aufrüsten. Wer etwa mit den Enkelkindern über WhatsApp plaudern will, kann sich die App einfach aus dem Play Store herunterladen.

Gewohnheiten und Vorlieben wichtiger als Technik

Wer die Anschaffung eines Seniorenhandys überlegt – für sich oder als Geschenk – sollte trotzdem nicht einfach vorschnell zum Testsieger greifen. Hier führt kein Weg am Ausprobieren vorbei. Denn viel mehr als die technischen Eckdaten zählen Vorlieben und persönliche Gewohnheiten.

Beate Macura, help.ORF.at

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