Große Qualitätsunterschiede bei Blumenerden

Wer nur einen kleinen Balkon hat, muss trotzdem nicht auf selbstgezogenes Gemüse und Blumen verzichten. In Kübeln und Töpfen lassen sich auch auf wenig Raum viele Pflanzen anbauen, vorausgesetzt die Erde passt. Baumärkte und Gartencenter bieten derzeit eine große Auswahl an Blumenerden an, doch die Qualitätsunterschiede sind groß. Wie Hobbygärtner die richtige Erde finden.

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80 Prozent der Österreicher verfügen über eigenes Grün - im Garten, auf der Terrasse oder am Balkon. Mit Urban Gardening hat das Gärntern auch die Stadt erobert. Damit die Pflanzen auf kleinstem Raum gut gedeihen, ist die Auswahl der richtigen Blumenerde besonders wichtig.

Inhaltsstoffe: Der Speiseplan für die Pflanze

„Auch wenn Blumenerdesäcke mit bunten Bildern einer üppigen Blütenpracht werben, drehen Sie den Sack um und lesen Sie die Warendeklaration auf der Rückseite“, so Franz Gabesam, Gärtner in Niederösterreich. Die Warendeklaration gibt Auskunft, woraus die Erde besteht, welche Nährstoffe in welcher Konzentration enthalten sind und für welche Pflanzenarten das Produkt geeignet ist. Jede Pflanze hat eigene Ansprüche und Vorlieben: Heidelbeeren etwa mögen eine eher saure Erde mit wenig Kalk, Pflanzen wie Paradeiser würden in dieser Erde verkümmern.

gelbe Blumen in einem Topf
Karin Fischer/help.ORF.at
Jede Pflanze hat bestimmte Nährstoffvorlieben

Die meisten herkömmlichen Blumenerden bestehen fast zur Gänze aus Torf. Torf kann viel Wasser speichern und lässt sich mit Zusätzen ideal auf den gewünschten Nährstoffgehalt einstellen. Doch das Wundermittel habe einen hohen Preis, so Dominik Linhard, Biologe der Umweltschutzorganisation Global 2000. Durch den Torfabbau würden der Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten zerstört und klimaschädliche Gase freigesetzt. „Aus Sicht des Umweltschutzes ist der Einsatz von Torf im Hobbygartenbau nicht vertretbar“, so Linhard.

Torffreie Erde öfter gießen

Einige Hersteller bieten inzwischen torfreduzierte Blumenerde an. Mitunter seien in diesen Produkten jedoch bis zu 70 Prozent Torf enthalten, so Linhard. „Das ist aus unserer Sicht nicht torfreduziert“. Garantiert torffrei seien Produkte mit dem Österreichischen Umweltzeichen. Die Bezeichnung „Bioerde“ hingegen sage noch nichts über den Torfgehalt aus. Auch Bioerde könne Torf enthalten.

Säcke mit Blumenerden in einem Baumarkt
Karin Fischer/help.ORF.at
Das Angebot an Universal- und Spezialerden ist vielfältig

Als Ersatz für Torf mischen die Hersteller unter anderem Kokos-und Holzfasern, Kompost und Rindenhumus bei. Torffreie Erde kann aber weniger gut Wasser speichern – man muss daher öfter gießen. Garten-Profi Gabesam empfiehlt, Erde mit einem Tonanteil von fünf bis zwanzig Prozent zu verwenden. Denn Ton speichert Wasser und Nährstoffe, was vor allem für Balkon- und Kübelpflanzen wichtig ist.

Wie man gute Erde erkennt

„Gute Erde soll nach Wald riechen und darf nicht schimmeln“, so der Experte von Global 2000. Eine qualitativ gute Blumenerde erkenne man daran, dass der Sack nicht zu schwer ist, weil er sonst mit Wasser vollgesogen ist, so Garten-Profi Gabesam. Ausgeblichene Säcke deuteten darauf hin, dass die Blumenerde überlagert ist. Die Folge: Der enthaltene Humus beginne zu verrotten, die Erde sei versalzen. „Wenn man dann junge Pflänzchen einsetzt, kann es zu Schäden kommen“.

Säcke mit Blumenerde und Pflanzen im Kofferraum eines Autos
Karin Fischer/help.ORF.at
Urban Gardening beschert Gartencentern und Baumärkten gute Umsätze

Mit sieben bis neun Euro pro 40 Liter-Sack müsse man für eine gute Erde rechnen, so Gabesam. Billigere Erde eigne sich eher zur Bodenaufbesserung in einem Staudenbeet im Garten. Hochwertige Balkonblumen bräuchten auch hochwertige Blumenerde. Torffreie Erde ist etwas teurer. Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich kam 2016 in einem Test zum Ergebnis, dass Blumen sowohl in billiger als auch in teurer Erde annähend gleich gut wachsen und blühen. Bei dem Test gab es bei der Hälfte der Proben Abweichungen zwischen den deklarierten und den tatsächlichen Nährstoffwerten. Drei Probesäcke enthielten weniger Liter Erde als angegeben.

Etwas für Profis: Blumenerde selbst mischen

Uneinig sind sich die Gartenexperten, ob man Blumenerde auch selbst mischen kann. Global 2000 rät, Universalblumenerde je nach Bedarf mit Sand oder Kies abzumagern – so bekommt man Kräutererde - oder für nährstoffliebende Pflanzen wie Paradeiser spezielle Dünger hinzuzufügen. Franz Gabesam greift lieber zu fertiger Spezialerde, weil man das optimale Verhältnis selbst nur schwer hinbekomme. Zum Keimen von Samen etwa sei feinkrümelige Anzuchterde mit einem geringeren Nährstoffgehalt besser geeignet als Universalerde.

lose Blumenerde auf einem Tisch
Karin Fischer/help.ORF.at
Pflanzen gedeihen auch in torffreier Erde gut, wenn man öfter gießt

Die meiste Blumenerden enthalten einen Vorratsdünger für sechs Wochen. Erst danach sollte man mit dem Düngen beginnen. Die Experten raten zu organischem Dauerdünger wie etwa Hornmehl. „Zehn Zentimeter unter der Erdoberfläche eingestreut, reicht der Düngervorrat für ein halbes Jahr, weil sich die Pflanze nur dann etwas davon holt, wenn sie Appetit hat“, so Gabesam.

Karin Fischer, help.ORF.at

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