Wohnbaukredite: Vergleichen und Verhandeln lohnt sich

Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich haben bei Wohnbaukrediten große Kostenunterschiede festgestellt. Bei einem Darlehen in der Höhe von 150.000 Euro betrug die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot mehr als zwölftausend Euro. Die Experten raten, mehrere Angebote einzuholen, auch lohnt es sich zu verhandeln.

Die mit Abstand günstigsten Kredite gäbe es laut Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich derzeit bei der Bank Austria. Große Unterschiede fänden sich bei einzelnen Kosten. Die Konsumentenschützer haben bei zwölf Geldinstituten jeweils Angebote für hypothekarisch besicherte Wohnbaukredite über 150.000 Euro mit variabler Verzinsung (mit einer Laufzeit von 25 Jahren) und fixem Zinssatz (für zehn und fünfzehn Jahre Laufzeit) eingeholt. Ausgegangen wurde von einer guten Bonität der Kreditnehmer. Ausserdem wurde zu den einzelnen Angeboten jeweils ein Tilgungsplan erbeten.

Nebenkosten als Kostenfalle

Für den aktuell günstigsten variablen Kredit waren insgesamt 176.000 Euro zurückzuzahlen. Das entspricht bei Einrechnung aller Kosten einem effektiven Zinssatz von 1,3 Prozent. Beim teuersten Anbieter beträgt der Gesamtbetrag der zu leistenden Zahlungen mehr als 188.000 Euro, das ergibt einem effektiven Zinssatz von 1,9 Prozent. Das Angebot ist deshalb so schlecht, weil die Nebenkosten teurer waren als bei den anderen Anbietern. Der Kostenunterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot betrug demnach mehr als zwölftausend Euro.

Geldscheine Euro
ORF.at/Christian Öser
Vor allem Nebenkosten können einen Kredit empfindlich verteuern

Tilgungspläne sollten guten Überblick geben

Die Fixzinskonditionen für zehn Jahre Laufzeit liegen aktuell zwischen 1,50 und 2,25 Prozent. Für eine Laufzeit von 15 Jahren sind zwischen 1,875 und 2,375 Prozent zu zahlen. Einige Banken bieten derzeit keinen 15 Jahre laufenden Fixzinskredit an. Die Bausparkassen haben hingegen unaufgefordert auch ihre fixen Zinsen für eine Laufzeit von 20 Jahren übermittelt. Sie reichen von 2,3 bis 2,5 Prozent.

Weiters überprüften die Konsumentenschützer die Qualität der mitgelieferten Tilgungspläne. Diese sollen einen Überblick über die angelasteten Zinsen, Kontoführungsgebühren und die Entwicklung der Kreditrestschuld im Zeitablauf bieten. Auch hier gab es große Unterschiede. Zwei Geldinstitute schnitten wegen ihre detaillierten Aufschlüsselung am besten ab.

Empfehlungen der Konsumentenschützer

Aufgrund der großen Kostenunterschiede empfiehlt die Arbeiterkammer Oberösterreich, mehrere Angebote einzuholen und zu vergleichen. Dabei sollen Kunden auf Aushändigung der vorvertraglichen Musterformulare (ESIS-Merkblatt oder „Europäische Standardinformationen“) bestehen. Darin werden alle wesentlichen Kreditkonditionen wie Zinssatz, Kosten, verlangte Sicherheiten, Bedingungen vorzeitiger Rückzahlung bekannt gegeben werden. Auch ein detaillierter Tilgungsplan sollte als Teil des Angebots verlangt werden. Insgesamt lohne es sich zu verhandeln, und zwar nicht nur über den Soll-Zinssatz, sondern auch über die Nebenkosten.

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