WLAN-Lautsprecher im Test

Streamingdienste und immer vernetzte Mobilgeräte haben den Markt für Musik und Unterhaltungselektronik verändert. Statt von CD kommt die Musik nun häufig direkt aus dem Internet. Die Gerätehersteller reagieren mit vernetzten Soundsystemen für zuhause. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 14 WLAN-Lautsprecher getestet - mit gemischten Ergebnissen.

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Neben großformatigen Boxentürmen und wuchtigen Subwoofern drängen sich in den Schauräumen der Elektrohändler mehr und mehr kleine, schicke Funklautsprecher. Sie versprechen kraftvollen Klang in jedem Raum - ganz ohne Kabelsalat. Aber können die vernetzten Boxen mit einer klassischen Hifi-Anlage mithalten?

Der VKI hat 14 WLAN-Lautsprecher von acht verschiedenen Herstellern (Sonos, Raumfeld, Yamaha, Samsung, Denon, Panasonic, Bose und Sony) getestet. Im Mittelpunkt der Beurteilung stand die Soundqualität, auch Handhabung, Stromverbrauch, Vielseitigkeit und das Datensendeverhalten flossen in die Note mit ein.

„Die WLAN Lautsprecher sind vor allem für Konsumenten gedacht, die ihre Musik hauptsächlich aus dem Internet streamen,“ so Joti Bomrah, Projektleiterin im Bereich Neue Medien beim VKI. Um einen WLAN-Lautsprecher in Betrieb zu nehmen, braucht es neben einem WLAN-Netz (getestet wurde im 2,4-GHz-Frequenzband, die meisten Geräte unterstützen aber auch bereits den schnelleren Fünf-GHz-Standard) die passende App für das Smartphone, um das Gerät zu steuern.

Produktbilder der Top-3 WLAN-Lautsprecher im VKI-Test
VKI
Sonos-Box „Play:5“ (links oben), darunter Yamaha „WX-030“, auf der rechten Seite „Stereo M“ von Raumfeld

Sind die Lautsprecher mit dem WLAN verbunden, können über die App Internetradiosender und Online-Musikdienste wie Spotify oder Deezer aufgerufen und Songs abgespielt werden - mehr zu den verschiedenen Streaminganbietern in Musikstreamingdienste im Test. Ganz ohne Kabel kommen die WLAN-Lautsprecher aber trotzdem nicht aus. Alle brauchen zumindest einen Stromstecker. Für unterwegs eignen sie sich daher nicht.

Sonos&Raumfeld vorn, Preis-Leistungssieger Yamaha

Zuhause bieten die WLAN-Boxen eine gute Soundkulisse - insgesamt wurden fünf der 14 Modelle mit der Note „Gut“ beurteilt. Die beste Klangqualität hat das 550 Euro teure Modell „Play:5“ des US-Herstellers Sonos. Trotz nur einer Box erfolgt die Soundwiedergabe in Stereo. Die Tester lobten den den größten Bass-Schalldruck, den sonst nur noch der Zweitplatzierte schafft.

An zweiter Stelle folgt das System „Stereo M“ von Raumfeld, einer Tochter des deutschen Audiospezialisten Teufel. Dieses umfasst zwar gleich zwei Boxen (eine aktive Masterbox und einen zweiten, passiven Lautsprecher) für echten Stereogenuss, kostet mit 930 Euro aber auch dementsprechend mehr. Das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet laut den Testern das drittplatzierte Modell „WX-030“ des japanischen Herstellers Yamaha. Die einkanalige Monobox mit Bass- und Höhenregler via Smartphone-App unterstützt auch Apples AirPlay und sendet keine unnötigen Daten ins Netz.

Produktbilder der WLAN-Lautsprecher im VKI-Test
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An Samsungs „R7“ fällt sofort die ungewöhnliche Form auf, rechts daneben das Boxenpaar „NX-N500“ von Yamaha

Ebensfalls mit einem „Gut“ bewertet wurde der 420 Euro teure WLAN-Lautsprecher Samsung „R7“, der durch seine Ei-Form zwar guten Rundumschall liefert. Sind die Wände im Wohnzimmer jedoch allzu kahl, entsteht ein unangenehmer Klangbrei, warnen die Tester. Auf dem fünften Platz und ebenfalls mit einem „Gut“ benotet wurde ein weiteres System von Yamaha, das 750 Euro teure Boxenpaar „NX-N500“, bestehend aus zwei WLAN-Lautsprechern.

Mehrere Boxen koppeln

„Der allgemeine Vorteil der WLAN-Lautsprecher liegt darin, dass sie einen Multiraumklang erzeugen können,“ so Testleiterin Bomrah. Verteilt man mehrer Boxen im ganzen Haus, kann die Musik auch bei einem Raumwechsel weitergehört werden. Jedes Familienmitglied kann so die gemeinsame Playlist synchron im ganzen Haus hören oder auch seine eigene Musik abspielen.

Diese Möglichkeit mehrere Lautsprecher zu einem Multiroomsystem zu koppeln bieten alle getesteten Boxen. Bei manchen, wie etwa den Geräten von Raumklang und Bose, geht das aber nur mit einer Kabelverbindung - störend für ein eigentlich „kabelloses“ System.

Lästiger automatischer Download von Softwareupdates

Und auch die drahtlose Übertragung klappt nicht immer problemlos. Im Test kam es zu Aussetzern und Rucklern, die den Musikfluss immer wieder unterbrachen. Ebenfalls als lästig empfanden die Tester, dass die App bei jedem Einschalten standardmäßig überprüft, ob ein Softwareupdate vorhanden ist. Die Apps fragen dabei nicht vorher nach, ob das Update in dem Moment auch gewünscht ist, sondern laden es automatisch herunter.

Nicht in die Note miteinbezogen, aber trotzdem getestet, wurde das Datensendeverhalten der Apps. Hier gibt es laut VKI-Expertin Joti Bomrah noch viel Verbesserungsbedarf. „Kritisch haben wir jene Apps bewertet, die Informationen weiterleiten, die für die Funktion eines Lautsprechers nicht nötig sind, zum Beispiel wenn die Apps auf Fotos oder Kontakte zugreifen möchte,“ so die Expertin. Besonders negativ sind den Testern hier die Apps der Testsieger Sonos und Raumfeld aufgefallen, diese leiten besonders viele unnötige Informationen weiter.

Vor Kauf auf Anschlüsse achten

Wer Musik nicht nur aus dem Internet streamen, sondern seinen CD-Player oder Fernseher mit den WLAN-Lautsprechern verbinden möchte, sollte vor dem Kauf auf die Ausstattung achten. Hier gibt es große Unterschiede. Während manche Boxen über einen 3,5-mm-Klinken-Analog-Eingang verfügen, bieten andere einen USB-Anschluss, wieder andere unterstützen auch Bluetooth oder Apples Airplay.

Das Fazit der Tester: Wer seine Musik vor allem über Streamingdienste hört, hat mit WLAN-Boxen eine komfortable Möglichkeit, dies zuhause in möglichst guter Qualität zu tun – noch reichen die kleinen Boxen aber nicht an eine hochwertige Hifi-Anlage heran.

Beate Macura, help.ORF.at

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