Weihnachtskekse als Klimakiller

80 Prozent aller im Handel erhältlichen Weihnachtskekse enthalten Palmöl. In Indonesien, dem weltgrößten Lieferanten von Palmöl, wurden dafür bereits zwölf Millionen Hektar Regenwald gerodet, zulasten der Umwelt, der Kleinbauern und der indigenen Bevölkerung.

Traumhafte Sandstrände, üppige Regenwälder, grün leuchtende Reisfelder - das macht Indonesien zu einem der beliebtesten Reiseziele in Asien. Aber auch das ist Indonesien: brennender Regenwald, der Platz machen soll für den Anbau von Palmöl.

Die Früchte der Ölpalmen sind bis zu 50 Kilogramm schwer und werden von Hand geerntet. Indonesien produziert die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Palmöl. Die Anbauflächen haben sich in den letzten Jahren verzehnfacht. Dazu wurden die Plantagen mit Kanälen bewässert, die den Kleinbauern das Wasser abgruben. Ihre Reisfelder vertrockneten, die Bauern waren gezwungen, auf den Plantagen zu arbeiten. Das sei Strategie, sagt eine Arbeiterin auf einer Palmplantage: „Wir müssen hier um Arbeit bitten. Doch die Besitzer lassen uns nur dann arbeiten, wenn wir ihnen im Gegenzug unser Land geben.“

Palmernte in Indonesien
Martin Wildenberg, Global 2000
Amnesty International spricht von „systematischen Ausbeutungen“

Amnesty International spricht von „systematischen Ausbeutungen“ der Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen. Sie seien hochgiftigen Herbiziden ausgesetzt ohne entsprechende Schutzkleidung, auch Kinder müssten gefährliche und schwere Arbeit leisten, regelmäßig komme es zu Menschenrechtsverletzungen. Das Nachhaltigkeitssiegel, das Palmproduzenten erhielten, sei nicht mehr als „ein Etikettenschwindel, um den Palmölsektor sauberer zu machen“, so Amnesty in dem aktuellen Bericht.

Brandrodung „bisher größte Ökokatastrophe des Jahrhunderts“

Der Boden der Regenwälder besteht aus Torfmoor, die Bäume sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Werden sie trockengelegt oder in Brand gesetzt, entstehen tonnenweise Treibhausgase. Daher hat Indonesien einen höheren CO2-Ausstoß als die US-amerikanische Industrie. Kaum ein Land vernichtet seine Wälder so schnell wie Indonesien. Dabei war der Regenwald einer der artenreichsten der Welt. Seltene Tier- und Pflanzenarten starben aus, indigene Völker wurden vertrieben.

Indonesischer Regenwald
Martin Wildenberg, Global 2000
Vor der Brandrodung ...
Brache nach der Brandrodung
Martin Wildenberg, Global 2000
... und danach

2015 verbrannten fast zwei Millionen Hektar Regenwald in nur knapp zwei Monaten. Eine halbe Million Menschen mussten wegen Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus, der Flugverkehr über Sumatra wurde eingestellt. Internationale Beobachter bezeichneten diese Waldbrände als die bisher größte Ökokatastrophe des 21. Jahrhunderts. „Der Rauch hat wochenlang den Himmel verdeckt“, erzählt ein Reisbauer. „Wer versucht, die Flammen zu löschen, wird vertrieben oder sogar verhaftet.“

Für Indonesien ist Palmöl der Schlüssel zum wirtschaftlichen Fortschritt. Das Land will die Produktion bis 2030 verdoppeln. Die Nachfrage nach dem billigen, universell einsetzbaren Öl steigt, auch für die Produktion von Biotreibstoff. 2014 wurden 45 Prozent des importierten Palmöls in der EU für Biodiesel verwendet.

Palmölplantage
Martin Wildenberg, Global 2000
Palmölplantagen graben den Reisbauern buchstäblich das Wasser ab
Ausgetrocknete Reisfarm in Indonesien
Martin Wildenberg Global 2000
Ausgetrocknete Reisfarm

Außerdem sind Ölpalmen sehr ertragreich, sie liefern fast vier Tonnen Fett pro Hektar Anbaufläche, Sojabohnen dagegen nur eine halbe Tonne. Ein Umstieg auf Soja, Sonnenblume oder Raps würde größere Anbauflächen und Ressourcen verbrauchen, sagen Experten.

80 verschiedene Bezeichnungen für Palmöl

Pro Kopf verbrauchen wir in Österreich rund 14 Kilogramm Palmöl, für Seife und Kosmetika, Nahrungsmittel, aber auch für Waschmittel, Kerzen und Biokraftstoffe.

83 Prozent des global gehandelten Palmöls kommen aus den südostasiatischen Ländern Malaysia und Indonesien. Riesige Urwaldflächen wurden und werden gerodet, um für die Palmölplantagen Platz zu schaffen. Seit 2014 muss Palmöl laut EU-Verordnung zumindest auf Lebensmittel namentlich gekennzeichnet sein. Tatsächlich gibt es 80 verschiedene Bezeichnungen dafür, denn es wird vorwiegend zur Herstellung von Emulgatoren oder Tensiden verwendet. In den Produktinformationen wird es meist durch die Bezeichnung „Pflanzenöl“ oder „Sodium Lauryl Sulfoacetate“ ersetzt.

In jedem zweiten Produkt im Supermarktregal ist Palmöl enthalten, sagt die Umweltschutzorganisation Global 2000. Wer es vermeiden will, verzichtet am besten auf Fertigprodukte und achtet auf die harmlos klingenden Zutaten „pflanzliches Fett“ oder „pflanzliches Öl“. In den meisten Fällen steckt Palmöl dahinter.

Sonja Hochecker/Vanessa Böttcher, help.ORF.at

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