Jede dritte Bitterschokolade mit Mineralöl belastet

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat Bitterschokoladen auf Schadstoffe untersucht und in jedem dritten Produkt Rückstände von Mineralöl gefunden. Hofer und Lidl haben die betroffenen Eigenmarkenschokoladen aus dem Sortiment genommen. Andere Hersteller verwiesen auf fehlende Grenzwerte.

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Bitterschokolade enthält mindestens 60 Prozent Kakao und deutlich weniger Zucker als Vollmilchschokolade. Auch deswegen wird der dunklen, herb schmeckenden Schokolade ein positiver Effekt auf die Gesundheit zugeschrieben.

Mineralöl in sieben von 20 getesteten Produkten

„Das Testergebnis ist für uns enttäuschend“, so Birgit Beck vom VKI gegenüber help.ORF.at. Mineralölrückstände, vor allem die bedenklichen aromatischen Kohlenwasserstoffe (MOAH), sollten nicht in Lebensmittel gelangen, da sie krebserzeugende Substanzen enthalten können. Solche MOAHs wurden laut VKI in „deutlich nachweisbaren Mengen“ bei den getesteten Schokoladen der Marken Berger, Choceur (Hofer), Heidi, J.D. Gross (Lidl) und Merci gefunden. Diese fünf Produkte sind im Test durchgefallen.

Ein prall gefülltes Regal voll Schokolade
help.ORF.at/Karin Fischer
Acht Kilogramm Schokolade isst jeder Österreicher im Schnitt pro Jahr

Auch bei anderen Mineralölbestandteilen wurden die Tester fündig: Viele Proben enthielten gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH), die Schäden in Leber und Lymphknoten verursachen können. Einen Grenzwert dafür gibt es noch nicht. Der VKI hat Schokolade mit einem besonders hohen Anteil an MOSH ebenfalls negativ bewertet. Insgesamt erhielten sieben von 20 Produkten wegen Mineralölrückständen das Testurteil „weniger zufriedenstellend" bzw. nicht zufriedenstellend“.

Hofer und Lidl nehmen Bitterschokolade aus Regal

Mineralölbestandteile können auf verschiedenen Wegen in Lebensmittel gelangen: durch Druckfarben aus recycelten Altpapierverpackungen, durch Schmieröle aus Produktionsanlagen oder auch durch Abgase von Erntemaschinen.

Schokoladen, die im Test durchgefallen sind
help.ORF.at/Karin Fischer
Fünf Bitterschokoladen waren im Test „nicht zufriedenstellend“

Hofer, Lidl und Berger reagierten umgehend und leiteten nach eigenen Angaben Schritte zur Aufklärung ein beziehungsweise nahmen die betroffenen Produkte aus dem Verkauf, so Beck. Die anderen beanstandeten Hersteller verwiesen auf fehlende Grenzwerte.

Testsieger: Biobitterschokolade aus fairem Handel

Kein Schokotest ohne Verkostung: Für den Test probierten Freiwillige 20 Bitterschokoladen und bewerteten Aussehen, Geruch, Geschmack und das Gefühl im Mund. „Deprimierend für die Konsumenten ist, dass gerade die Schokoladen, die am besten geschmeckt haben, die meisten Schadstoffe enthalten“, so Beck.

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Die beste Schokolade im Test stammt aus fairem Handel und ist ein Bioprodukt: die Zarte Bitter von GEPA mit einem Kakaoanteil von 70 Prozent, sie kostet 1,99 Euro. Im Geschmack schnitt die Bitterschokolade der Marke Maestrani am besten ab. Sie erhielt trotzdem nur ein „durchschnittlich“, weil bei der Kennzeichnung geschlampt wurde. Insgesamt war ein Fünftel der Produkte nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet.

Enorme Preisunterschiede bei Bitterschokolade

Die Zutatenliste gebe die meisten Hinweise auf die Qualität, so die VKI-Expertin. „Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker, mehr braucht es für Bitterschokolade nicht.“ Auch die Kakaobohnensorte und Aromen wie Vanille beeinflussen den Geschmack, so Thomas Kovazh, Inhaber des Schokoladenfachgeschäfts Schokov gegenüber help.ORF.at. „Gute Schokolade erkennt man auch an der Bruchkante. Je schärfer die Kante ist, desto länger wurde die Schokolade gerührt“, so der Experte.

Alle getesteten Schokoladen
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Bitterschokoladen gibt es in jeder Preisklasse

Für gute Bitterschokolade muss man laut Kovazh mit fünf bis sieben Euro pro 100 Gramm rechnen. „Das geht bis zu zwölf Euro für eine Tafel“, wenn nur geringe Mengen einer bestimmten Bohnensorte geerntet würden. Die Bitterschokoladen im VKI-Test kosteten zwischen 95 Cent und 7,18 Euro pro 100 Gramm. „Der Preis allein ist keine Garantie für ein gutes Produkt“, so Beck. Jeder Österreicher isst im Schnitt etwa acht Kilogramm Schokolade pro Jahr. Eine Handvoll Süßes pro Tag sei genug, so die VKI-Expertin. „Es bringt nichts, wenn ich statt wenig Milchschokolade viel Bitterschokolade esse, das macht mich nicht gesünder.“

Karin Fischer, help.ORF.at

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