Keine Funktionsjacke wirklich dicht

Wetterfeste Funktionsjacken sind längst nicht nur Zubehör für Bergsteiger, sie werden auch gerne in der Großstadt getragen. Die praktischen Kleidungsstücke sollen Wasser abweisen, Schweiß hingegen nach außen leiten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und die deutsche Stiftung Warentest haben überprüft, ob Funktionsjacken diese Anforderungen erfüllen.

Die Hersteller werben damit, dass ihre Jacken auch bei starkem Regen wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv sind. Gemeinsam mit der Stiftung Warentest hat der VKI 14 Funktionsjacken des moderaten Preissegments einem Labortest unterzogen, um herauszufinden, wie gut sie tatsächlich sind.

Nur zwei Jacken bestehen Härtetest

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Outdoorjacken in der Preislage zwischen 80 Euro und 360 Euro wurden zunächst im Neuzustand getestet, danach fünf Mal gewaschen und nochmals untersucht. Nach dem Waschen waren nur noch zwei Jacken halbwegs regendicht und erhielten im Test ein „gut“. Testsieger war das teuerste Produkt: Eine Jacke des Herstellers Haglöfs zum Preis von 360 Euro. Die zweitplatzierte Jacke der Firma Schöffel überzeugte die Tester mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, sie kostet 180 Euro.

Funktionsjacken hängen in einem Geschäft
ORF.at/Karin Fischer
Große Preisunterschiede: Zwischen 80 Euro und 360 Euro kosteten die getesteten Funktionsjacken

Sieben Produkte erhielten ein „wenig zufriedenstellend“, darunter waren auch Modelle ab 200 Euro. Eine Funktionsjacke fiel im Test durch, weil sie weder ausreichend vor Regen schützt noch atmungsaktiv ist. Im Neuzustand schnitten die meisten Produkte deutlich besser ab. „Das Testergebnis ist ernüchternd“, so der VKI-Experte Christian Undeutsch, der den Herstellern nahelegt, ihre Produkte zu verbessern.

Wassersäule als Verkaufsargument

Für den Test wurde eine lebensgroße, mit Sensoren ausgestattete Puppe in Outdoorkleidung eine Stunde lang beregnet, so wie das für Berufskleidung vorgesehenen ist. Laut VKI ist dieses Testverfahren praxisnäher als Angaben über die Wassersäule, mit denen die Hersteller werben. Die Wassersäule besagt, bis zu welchem Wasserdruck ein Material dicht hält, wobei ab einem Wert von 4.000 Millimetern ein Stoff als wasserdicht gilt. Trotzdem werben die Firmen mit wesentlich höheren Werten bis zu 28.000 Millimeter.

ein Dummy mit nasser Unterwäsche und Funktionsjacke im Regenturm
Stiftung Warentest
Ein Dummy mit Sensoren wird im Labor starkem Regen ausgesetzt

VKI-Experte Undeutsch hält Angaben über die Höhe der Wassersäule für reine Werbung und rät, sich beim Kauf einer Funktionsjacke nicht dadurch leiten lassen. „Achten Sie eher darauf, wie die Jacke verarbeitet ist“, so Undeutsch. Reißverschlüsse und Taschen sollten gut abgedeckt, die Kapuze verstellbar sein, ohne das Sichtfeld einzuengen. Eine gute Passform mit viel Bewegungsfreiheit sei ebenso wichtig wie ein gut abschließender Kragen, der bis zum Kinn reicht.

Jacken ohne Fluorchemie enttäuschen

Kritik üben die Tester an Herstellern, die Fluorchemie verwenden, um Atmungsaktivität und Regendichtheit zu erreichen. Die eingesetzten per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) schädigen die Umwelt und sind auch für Menschen gesundheitsschädlich. Ausgerechnet die Jacken jener beiden Hersteller, die auf Fluorchemie verzichten, erwiesen sich im Test als wenig oder gar nicht zufriedenstellend.

Aber auch hohe PFC-Werte sind keine Garantie für ein gutes Ergebnis. Verwunderlich sei, dass auch Jacken mit hohen PFC-Werten im Test bei der Regendichtheit schlecht abgeschnitten hätten. „Wir können uns das eigentlich nicht erklären“, so Undeutsch.

Tipps für die Pflege

Bei einer Funktionsjacke geht häufiges Waschen auf Kosten von Wasserdichtheit und Atmungsaktivität, Weichspüler runieren das Material. Der Experte empfiehlt, diese Kleidungsstücke nie oder selten zu waschen und Flecken mit einem feuchten Tuch zu entfernen. Um die Imprägnierung nach einem Waschgang wieder zu aktivieren, sollte man die Jacke nach den Empfehlungen der Hersteller entweder bei niedrigen Temperaturen in den Trockner geben oder auf niedrigster Stufe bügeln.

Karin Fischer, help.ORF.at

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